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Wie sich verkörperte Spiritualität für mich anfühlt

by Chris
Jul 22, 2026
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In den letzten beiden Impulsen habe ich darüber geschrieben, warum Spiritualität Verkörperung braucht und weshalb dieser Weg oft anspruchsvoller ist, als wir zunächst vermuten.

 

Heute möchte ich etwas Persönlicheres dazu mit Dir teilen.

 

 

Denn immer wieder werde ich gefragt, was ich eigentlich mit verkörperter Spiritualität meine.

 

Meine Antwort darauf ist heute eine andere als noch vor vielen Jahren.

 

Früher dachte ich, spirituelle Entwicklung würde bedeuten, irgendwann an einem Punkt anzukommen, an dem ich fertig bin.

 

An einem Ort grenzenloser Freiheit.

In einem Zustand dauerhaften Friedens.

Mit einem Zugang zu universellem Wissen.

 

Versteh mich bitte nicht falsch: der spirituelle Weg führt, wenn Du auf ihm gut vorankommst, genau zu diesen Erfahrungen und Qualitäten.
Und daran ist nichts falsch bzw. alles wunderbar.

 

 

Heute sehe ich diese Erfahrungen oder Qualitäten aber nicht mehr als das eigentliche Ziel.

 

Heute fühlt sich Spiritualität für mich viel natürlicher und menschlicher an.

Und genau deshalb auch viel wirklicher.

 

Ich erlebe nach wie vor Momente der Unsicherheit.

Es gibt Tage, an denen mich etwas berührt.

Situationen, mit denen mich das Leben herausfordert.

 

Früher wollte ich Unangenehmes möglichst schnell verändern.

Und bin dabei auch in meine Spiritualität geflüchtet.

 

 

Der Unterschied liegt heute darin, dass ich solchen Momenten anders begegne.

 

Heute nehme ich zunächst wahr, was gerade in mir lebendig geworden ist.

Ohne es sofort verstehen zu wollen.

Ohne es sofort wegmachen zu müssen.

Ohne mich dafür zu verurteilen.

Ohne sofort nach einer Lösung zu suchen.

 

Allein dadurch entsteht oft ein Raum, den ich früher gar nicht wahrnehmen konnte.

Ein Raum zwischen dem, was geschieht, und meiner Reaktion darauf.

 

Und genau in diesem Raum liegt für mich Freiheit.

 

 

Ich habe im Laufe der Jahre noch etwas beobachtet.

Entscheidungen fühlen sich heute anders an.

Die Themen und Kontexte sind nicht unbedingt leichter geworden.

Aber das Entscheiden fühlt sich stiller an.

Ich muss Argumente und Aspekte nicht mehr endlos im Kopf bewegen.

Oft entsteht irgendwann ein inneres Gefühl von Klarheit oder Stimmigkeit.

Nicht als laute Stimme.

Eher wie ein ruhiges inneres Wissen.

 

 

Auch Beziehungen haben sich verändert.

Ich höre Menschen heute anders zu.

Nicht, weil ich es mir vornehme.

Sondern weil in mir weniger das Bedürfnis entsteht, sofort antworten, überzeugen oder Recht haben zu müssen.

Dadurch entstehen Gespräche, die sich offener anfühlen.

Echter.

Lebendiger.

 

 

Auch Konflikte haben ihren Schrecken verloren.

Nicht weil ich Konflikte mag – Ich bin nach wie vor eher der Harmonie-Typ.

Sondern weil ich gelernt habe, dass sie mir etwas über mich zeigen können.

Manchmal führen sie mich zu einer Grenze, die ich bisher nicht wahrgenommen habe.

Manchmal machen sie mir eine alte Verletzung bewusst.

Und manchmal zeigen sie mir einfach, dass ein klares Nein genauso liebevoll sein kann wie ein Ja.

 

 

Früher dachte ich oft, Spiritualität müsse sich außergewöhnlich anfühlen.

Heute berührt mich oft gerade das Gewöhnliche.

Eine bewusste Tasse Tee am Morgen.

Das Lauschen vom Wind in den Bäumen.

Das Beobachten des Tanzes des Lichtes auf dem Meer.

Ein authentisches und ehrliches Gespräch.

Ein stiller Moment zwischen zwei Terminen.

 

Es sind oft die kleinen Dinge geworden, die mich an etwas Größeres erinnern.

 

 

Vielleicht ist genau das für mich der größte Wandel.

 

Ich brauche die besonderen Momente nicht mehr so sehr wie früher.

 

Nicht weil sie ihren Wert verloren hätten.

 

Sondern weil in meiner Wahrnehmung das Leben selbst „begonnen hat“, diese Tiefe in sich zu tragen.

 

 

Manchmal werde ich gefragt, ob das bedeutet, dass ich immer gelassen bin.

 

Natürlich nicht.

Auch ich verliere manchmal meine Mitte.

Auch ich reagiere.

Auch ich lerne jeden Tag weiter.

 

Der Unterschied ist vielleicht nur, dass ich schneller bemerke, wenn ich mich verloren habe.

Und dass ich schneller in meine Mitte zurückkehren kann.

Und dass ich freundlicher mit mir geworden bin, wenn es passiert.

 

 

Vielleicht ist genau das der Kern dessen, was ich heute unter verkörperter Spiritualität verstehe.

 

Nicht perfekt zu werden.

Nicht dauerhaft friedlich zu sein.

Nicht über dem Leben zu stehen.

 

Sondern ihm immer ehrlicher zu begegnen.

 

Mit offenem Herzen.

Mit beiden Füßen auf dem Boden.

Und mit der Bereitschaft, mich von jedem Tag ein kleines Stück weiter verwandeln zu lassen.

 

 

Denn ich glaube heute mehr denn je:

 

Spirituelle Entwicklung bedeutet nicht, dem Mensch-Sein zu entkommen.

 

Sondern das eigene Mensch-Sein immer bewusster zu bewohnen.

 

Und vielleicht beginnt genau dort etwas, das sich mit Worten nie ganz beschreiben lässt.

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